Der Euro soll auf Biegen und Brechen und Beugen aller Regeln gerettet werden. Und auf Kosten jener Länder, die sich weitgehend an sie gehalten haben. In der EU fehlt es nicht an Solidarität, sondern an Disziplin. Grundsätzliche Abhilfe würde nur eine gemeinsame Wirtschaftspolitikschaffen, doch dies birgt ein zu hohes Risiko.

Vertragsänderungen scheuen die EU-Mitglieder wie der Teufel das Weihwasser - zu langwierig, zu risikoreich und auch zu abhängig von der Wirtschaft Irlands. Nun greift die Europäische Union, gepeinigt von der Euro-Krise, doch zu diesem Mittel, in einer schmalen Form nur und am irischen Eigensinn vorbei. Von 2013 an soll ein dauerhafter Rettungsschirm über der Eurozone aufgespannt werden. Das Durchbrechen des Grundsatzes, auch in der Währungsunion müsse jedes Mitglied nur für seine eigenen Schulden aufkommen, wird damit institutionalisiert.

Die Ursünde wurde freilich schon mit der Aufweichung des Stabilitätspakts begangen. Es sei, wie sich jetzt zeige, falsch gewesen, eine Währungsunion zu errichten, ohne dass es schon eine gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik gebe. Den heutigen Politikern, denen vorgeworfen wird, sie verströmten beim Scherbenkitten nicht die Begeisterung der Gründerväter, bleibt wenig Zeit zum Räsonieren, was besser anders gemacht worden wäre. Sie haben genug damit zu tun, die Schwachstellen der Währungsunion gegen das Eindringen der Spekulation abzudichten. Denn das Scheitern der gemeinsamen Währung, darüber besteht in ungewohntem Maße Einigkeit, wäre der schwerste Rückschlag in der Geschichte der europäischen Einigung.

Der Euro soll daher auf Biegen und Brechen und Beugen der Regeln gerettet werden. Und auf Kosten der Länder, die sich weitgehend an diese Regeln gehalten haben. Solidarität nicht ohne Solidität Die, und nicht etwa die Sünder, werden jetzt bevorzugt unter moralischen Druck gesetzt. Die Kanzlerin tat recht daran zu entgegnen, Solidarität könne auf Dauer nicht ohne Solidität verlangt werden. Für zusätzliche Transferzahlungen (etwa in Form gemeinsamer Anleihen) an wirtschaftsschwache, aber konsumfreudige EU-Mitglieder müssten in Deutschland entweder die Steuern erhöht, Leistungen des Staates gekürzt oder noch mehr Schulden gemacht werden. Auch so kann man eine Gemeinschaft sprengen. Den jede Solidarität hat seine Grenzen.

In der EU fehlt es nicht an Solidarität, sondern an Disziplin. Grundsätzliche Abhilfe schüfe nur eine gemeinsame Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik. Doch nach wessen Vorstellungen sollte sie geschaffen werden: Englands, Deutschlands, Griechenlands? Hier eine Einigung zu finden, ist schlicht undurchführbar, vor allem im relativ demokratischen Europa.

 w.o.