Rückblick und Ausblick
Spezieller Rückblick und Ausblick
Vor genau 70 Jahren schrieb Alt-Nationalrat Dr. Tschumi einen Leitartikel für die Ausgabe die am 03.01.1942 in der BaZ erschienen ist.
Erstaunlich ist, wie viel aus seinem Artikel „Bürgerliche Disziplin“ auch heute noch angewendet werden kann. Vor allem bei den National- und Ständeratswahlen, aber dann auch der Bundesratswahl, hätte diese beschriebene Disziplin den Bürgerlichen sehr geholfen.
Es ist nicht nur ein Aufruf an die Parlamentarier, sondern auch an das Volk. Wir stehen heute nicht weit weg von der wirtschaftlichen Situation, wie sich diese vor 70 Jahren präsentiert hat.
Einen grossen Effort muss das Schweizer Volk auch betreffend der Immigration leisten, will es in den nächsten Jahren die voraussehbaren Probleme zwischen den verschiedenen Volksgruppen meistern können.
Wir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern einen guten Start in das Neue Jahr 2012.
Bürgerliche Disziplin
Von Alt-Nationalrat Dr. Tschumi
Dass die Leistungsfähigkeit einer Armee vom Masse ihrer Disziplin sehr wesentlich abhängt, ist eine allgemein bekannte Erfahrungstatsache.
Durchhalten wird aber jede Disziplin nur dann, wenn sie nicht bloss das erzieherische Resultat einer harten Faust, sondern das des freien ‚Willens jedes einzelnen Soldaten ist. Sie wird dann auch in den schwersten Fällen, beispielsweise bei Niederlagen, nicht versagen.
Quelle: Basler Zeitung vom 3.1.1942
Disziplin ist auch bei einem ganzen Volke eine hoch einzuschätzende Tugend und ganz besonders in einer so schwierigen Zeit, wie sie gegenwärtig durchlebt werden muss. Unserer Heimat zu erhalten, soll Aufgabe und Ziel jedes Schweizers sein. Diesem Bestreben ist alles Tun und Lassen unterzuordnen. In erster Linie ist das auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung ein zwingendes Erfordernis. Wir können mit unsern Nahrungsmittelvorräten nichtmehr verschwenderisch umgehen. Bisher hat zwar der Hunger noch von jeder Tür abgewendet werden können, und es ist zu hoffen, dass es auch in den kommenden Zeiten möglich sein werde. Aber eine gewisse Knappheit an Nahrungsmitteln und sonstigen Verbrauchswaren ist eben doch bereits vorhanden, und der Eintritt Amerikas - unseres Versorgungsreservoirs – in die kriegerischen Weltereignisse lässt der Befürchtung Raum, dass mit einer weiteren Abstoppung unserer Zufuhren gerechnet werden müsse.
In richtiger Würdigung dieser Verhältnisse und Möglichkeiten, unterstellt der Bund den Nahrungsmittelverkehr der Rationierung. Diese Massnahme wird nicht durchwegs mit dem wünschenswerten Verständnis entgegengenommen. Tagtäglich kann darin ein „Hüft und Hott“ der Meinungen festgestellt werden. Unser Viehbestand, so hört man argumentieren, rechtfertigt keine fleischlosen Tage. Tatsächlich sollen Fälle vorkommen, dass man sich verbotenerweise mit Fleischwaren auch für fleischlose Tage einzudecken versuche. So etwas ist in höchstem Masse verwerflich und strafbar. Es ist ein eigentlicher Raub an der Allgemeinheit, wenn jemand sich eine derartige Widerhandlung gegen den Willen der verantwortlichen Landesbehörde erlaubt. Es muss auch eine bürgerliche Disziplin geben, die sich einsichtig den allgemeinen Anordnungen willig unterzieht. Der Gutbemittelte ganz besonders wird in der Achtung seiner Umwelt nur gewinnen, wenn er sich strenge den Anordnungen unterwirft, welche Zeit und Umstände nun einmal erfordern.
Disziplin ist auch im Kleiderverbrauch zu beobachten. Weder Männer noch Frauen werden deshalb weniger geschätzt, dass sie ältere Kleider wieder zu Ehren ziehen. Heute müssen die Schöpfungen der Mode in den Hintergrund trete. Kurz, die Spartendenz unserer obersten Landesbehörde aus freiem Willen zu unterstützen, soll jedes Schweizers und jeder Schweizerin ernstes Bestreben sein. Mit der vereinfachten Lebenshaltung kann nicht erst dann begonnen werden, wenn die Vorräte verbraucht sind.
Regieren heisst voraussehen! Wenn unsere oberste Landesbehörde in weiser Voraussicht einer drohenden Not wehren will, so lange es dazu noch Zeit ist, dann muss das Volk ohne Unterschied von Besitz und Einkommen verstehen, dass bürgerliche Disziplin seine ernste Pflicht ist. Damit wird dem Vaterlande der beste Dienst geleistet.
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Ein hochexplosives Thema.




