09. Juni 2011
Helen Zille von der DA ist der stille Wahlsieger bei den Kommunalwahlen in Südafrika. Der ANC von Präsident Zuma hat zwar die Mehrheit verteidigen können, doch die Partei ist nicht nur immer unbeliebter sie verliert auch bei jeder Wahl der neueren Zeit.
Diese Wahlen haben fast unter dem Ausschluss der Weltöffentlichkeit stattgefunden. Nach dem Glanz der Fussballweltmeisterschaft, verliehen durch die FIFA ist eben dieser Glanz fast gänzlich verschwunden, Der Alltage mit all den negativen Erscheinungen hat die Menschen wieder fest im Griff.
Für viele Südafrikaner ist der zurückliegende Wahlkampf als „Klo-Kampagne“ in die Geschichte eingegangen. Tatsächlich sind die stillen Örtchen im Kommunalwahl-Duell zwischen der Regierungspartei „African National Congress“ (ANC) und der Oppositionspartei „Democratic Alliance“ (DA) zur Thema für den Umstand geworden, dass der ANC 17 Jahre nach dem Ende der Apartheid zu einer Partei mutiert ist, deren Mitglieder sich oft hemmungslos an öffentlichen Geldern vergreifen. Die Korruption beginnt beim kleinen Postangestellten über den Polizeibeamten bis hinauf zu den Regierungsangestellten und den Regierungmitglieder.
Symbolhaft dafür stehen zahlreiche neu aufgestellte öffentliche Toiletten in den Townships, deren Benutzung schon daran scheitert, dass ihnen die Wände fehlen. Anderenorts entdeckten Reporter tolle Aborte mit gemauerten Außenmauern - doch leider waren diese Mustertoiletten an Stellen errichtet worden, wo im Umkreis von Kilometern kein Mensch wohnt. Unnötig zu erwähnen, dass die Auftragsvergabe zu einer Art Privathandel zwischen einem ANC-Politiker und einem ANC-Tender geraten war.
Trotzdem hat der ANC nach vorläufigen Ergebnissen seine Mehrheit in den Städten und Kommunen mit im Landesdurchschnitt rund 60,1 Prozent der Stimmen verteidigen können. Die eigentliche Nachricht aber ist der signifikante Gewinn der DA unter Helen Zille. Die streitbare Gouverneurin in der Provinz Western Cape hatte ihrer Partei das Ziel gesteckt, 20 Prozent zu erreichen, und hat dann zum Erstaunen aller Konkurrenten über 24 Prozent der Stimmen geholt.
Bei den vorigen Kommunalwahlen im Jahr 2006 hatte der ANC noch 66 Prozent gewonnen und die DA lediglich 14 Prozent. Südafrikanische Beobachter wollen nun bereits eine Trendwende für die 2014 anstehenden Parlamentswahlen erkennen. Frau Zille jedenfalls zeigte sich zufrieden. „Die DA ist die einzige Partei, die bei diesen Wahlen zugelegt hat, und der Grund dafür ist, dass die DA die einzige gemischtrassige Partei des Landes ist.
Wieder einmal sorgte der Präsident der ANC- Jugendorganisation, Julius Malema, bei diesen Wahlen für rassistische Töne mit seiner «Hetze» gegen die Weissen und den Buren. Er forderte die Schwarzen dazu auf, nicht Weisse zu wählen, da das Land nun ihnen den Schwarzen gehöre und die Weissen das Land zu verlassen hätten. Es forderte offen zum Rassismus gegen die Weissen auf. Amenstie International schwieg genau so wie unsere Menschenrechtler in der Schweiz von D. Jositsch bis hin zu A. Gross. Eigentlich verständlich, den so weit von der Heimat sind keine politischen Lorbeeren zu verdienen.
121 Parteien gingen hoffnungslos unter
Der Rest der Parteien, 121 an der Zahl, ging bei den Kommunalwahlen hoffnungslos unter.
Die Zulu-Partei „Inkatha Freedom Party“ (IFP) unter Mangosuthu Buthelezi kam auf knapp vier Prozent, was angesichts der grossen Anzahl von Zulus in Südafrika peinlich für ihn ist. Schlimmer noch erging es der von ANC-Dissidenten gegründeten und bei den Parlamentswahlen im April 2009 mit viel Vorschusslorbeer ausgestatteten Partei „Congress of the people“ (Cope).
Die kam auf wenig mehr als zwei Prozent, was wohl auch daran liegt, dass Cope seit ihrem Einzug ins Parlament mehr mit innerparteilichen Intrigen als mit dem politischen Gegner beschäftigt ist. Die Wahlbeteiligung bezifferte die Wahlkommission auf rund 56 Prozent, was eine deutliche Steigerung gegenüber 2006 darstellt, als sich nur 48 Prozent Wahlberechtigten beteiligt hatten.
In Kapstadt verteidigte die DA unter Helen Zille ihre Mehrheit mit 58 Prozent. Es gelang der Partei von Helen Zille aber nicht, in einer weiteren großen Stadt die Macht zu übernehmen. Johannesburg, Pretoria und Durban werden weiter von ANC-Stadträten regiert. In Port Elizabeth am Ostkap hatte sich Frau Zille zwar gute Chancen ausgerechnet, scheiterte aber mit 40 Prozent der Stimmen gegen 52 Prozent für den ANC überraschend deutlich.
Neue Oberbürgermeisterin von Kapstadt wird Patricia de Lille, die ehemalige Vorsitzende der „Independent Democrats“ (ID). Frau de Lille war es, die als Parlamentsabgeordnete einst den bis heute nicht aufgeklärten Finanzskandal um die Beschaffung von deutschen Fregatten und britischen Kampfflugzeugen öffentlich machte. Gleichwohl war ihre Partei bei den letzten Parlamentswahlen abgestraft worden. Das Abdriften in die politische Bedeutungslosigkeit vor Augen, hatte sich Frau de Lille zusammen mit ihrer Partei im August 2010 der DA von Zille angeschlossen, obwohl beiden Frauen nachgesagt wird, nicht allzu viel Sympathien füreinander zu hegen.
Schöne Wort, katastrophale Wirtschaft und einige Beispiel von alltäglicher Korruption
Der Immobilienmarkt liegt darnieder und findet kaum Käufer. Der Strom-und Wasserkosten steigen im 30 Prozent Takt alle vier Monate. Grosse Probleme machen die Anwälte die sich auf unverschämte Weise bereichern, da dem Kunden schlicht und einfach das Grundwissen für einen einfachen Gerichtgang fehlt. Bankgarantien der ABSA Bank einer amerikanischen Tochterbank werden gelöscht und dem Kunden erklärt, wenn er die Bankgarantie ausbezahlt habe wolle müsse er einen Gerichtsbeschluss vorlegen. Die Kosten für einen solchen Beschluss können 60 bis 80 Prozent der Bankgarantie ausmachen. Das Geld ist zu 99 Prozent verloren.
Wenn jemand ein Haus verkauft, kommt City of Johannesburg und verlangt vom Verkäufer eine Zahlung die zwischen 2000 und 10‘000 Franken betragen kann. Das Geld sollte der Verkäufer in drei bis vier Jahren zurück erhalten wenn er Glück hat sonst muss es abschreiben. Ohne diese Zahlung findet der Verkauf jedoch nicht statt. Der offizielle Bauinspektor hat das Haus geprüft und in Ordnung befunden und stellt die entsprechende Bewilligung aus. Je nach Bank braucht der Verkäufer für den Käufer ein Zertifikat vom NHBRS (National Home Builders) eine Organisation wie bei uns die Gewerkschaften nur noch viel dreister. Die ABSA verlangt diese Zertifikat willkürlich um den NHBRC zu fördern und deren recht hohes Gehalt – obwohl absolut unqualifiziert – zu finanzieren. Das Zertifikat plus eine Bankgarantie über 5 Jahre kostet dann ca. 35‘000 Schweizer Franken. Wenn einem hier ein kleiner Fehler unterläuft ist dieses Geld ebenfalls verloren. Den nach fünf Jahren sind alle Mitarbeiter ersetzt und die Zahlung ist nicht mehr auffindbar. Sorry, heisst es dann.
Ab 1 April 2011 hat SARS (in der Schweiz die Mehrwertsteuerverwaltung) alle Kunden gezwungen die VAT (also Mehrwertsteuerabrechnung) nur noch per „SARS eFiling Registration“ einzureichen. Andernfalls keine Rückzahlungen mehr erfolgen. Sollte jedoch eine Zahlung zu Gunsten der SARS ausgewiesen werden hat die SARS die Möglichkeit auf sämtlichen Banken in Südafrika die ein Konto unter dem Namen der registrierten Firma führen und auch unter dem Namen des Direktor Einzüge bei diesen Banken zu tätigen, ohne das die Bank den Inhaber informieren muss.
Wer an der Fussballweltmeisterschaft gewesen ist mag sich sicher an die neue Buslinie die vom Elispark durch die Stadt bis nach Sandton geführt hat erinnern. Diese ganze Anlage musste wegen Baufehler abgerissen werden und besteht zurzeit nicht mehr. Der Zug vom
Flughafen den die Engländer und Norweger bauen sollten ist ebenfalls nur bis Sandton gekommen, das heisst etwa ein Drittel wurde gebaut der Rest wird nie fertig erstellt werden. Hunderte Millionen in den Sand gesetzt, dafür über 52 Prozent Arbeitslose.
Und doch gibt es keine Alternative. Entweder du liebst dieses Land oder du musst es verlassen.
Südafrika wird uns noch mehrmals positiv wie negativ Überraschen.
Walter Ostermeier