Schweiz - der Stall ist voll

Schweiz bald mit 9 Millionen Einwohnern


Die Zahl der in der Schweiz lebenden Menschen wird auch in Zukunft weiter wachsen. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesamt für Statistik in seiner neuesten Studie. Gemäss diesen Ergebnissen wird die Bevölkerung in den nächsten 25 Jahren um mehr als zwölf Prozent zunehmen.
Von 2010 bis 2035 wird die Bevölkerungszahl in allen Kantonen wachsen. Besonders stark wird die Zunahme in den Räumen Zürich sowie Freiburg/Genfersee ausfallen, sagt das Bundesamt für Statistik (BFS) voraus. Grund dafür wird in erster Linie die internationale Wanderung sein.


Gemäss den neuen Szenarien des BFS zur Bevölkerungsentwicklung in den Schweizer Kantonen werden die Einwohnerzahlen der Kantone Waadt und Freiburg in diesem Zeitraum um mehr als 20 Prozent steigen.

Regionale Unterschiede bei Bevölkerungswachstum

Demgegenüber haben die Kantone Uri, Jura und Neuenburg lediglich Zunahmen von 2 bis 3 Prozent zu erwarten. Ursache für dieses schwächere Wachstum dürfte in erster Linie sein, dass es mehr Wegzüge in andere Kantone gibt als Zuzüge.

Die Kantone Freiburg, Wallis, Nidwalden, Schwyz und Zug, die in den letzten 25 Jahren das höchste Bevölkerungswachstum in der Schweiz registrierten (mit Zunahmen um 30 bis 45 Prozent), werden in den nächsten 25 Jahren weniger stark zulegen.


Kommentar Politlog


Inkonsequent



Wie wir wissen, wollen die Grünen und die Linken im Tollhaus in Bern nun fast per sofort aus der Kernenergie aussteigen. Der Grund liegt in der Katastrophe von Fukushima. Die Gefahren wurden von den verantwortlichen Medien (unter anderem die Tagesschau sf1) masslos aufgebauscht und dies mit fatalen Folgen.

Diese Massnahmen hätten jedoch zur Folge, dass die Bevölkerung, die Wirtschaft und auch die "Rote SBB" viel Strom sparen müssten. Konsequenterweise müssten wir dann aber auch das Wachstum unserer Bevölkerung und somit der Wirtschaft regulieren. Das wiederum bedeutete einen rigorosen Stopp der Einwanderung. Diese Belasten nicht nur unsere sozialen Einrichtungen sondern auch Schulen, spezielle Schulangebote, Spitäler, Renten und auch die Lehrstellenangebote für unsere Jugend. Irgendwann sind nämlich unsere Ressourcen, Bauflächen, Erholungsgebiete und Wasser nicht mehr genügend vorhanden.
Noch vor 60 Jahren wäre es niemandem in den Sinn gekommen in das arme Bauernland ein zuwandern.


W. Ostermeier

Südafrika ohne Jobs und wirtschaftliche Perspektiven

Südafrika ohne Jobs und wirtschaftliche Perspektiven


Die Arbeitslosigkeit ist das grösste Problem Südafrikas. Jetzt hat die Regierung von Jacob Zuma(ANC) fünf Millionen neue Stellen bis zum Jahr 2020 versprochen. Von der Nachhaltigkeit der WM 2010 ist kaum etwas übrig geblieben.(faz/wo)

Vor den Baumärkten in Johannesburg stehen Männer jeden Alters schon um sechs Uhr morgens mit ihren Schildern um irgend eine Arbeit zu erhalten. Auf den ersten Blick mag man sie für eine Gruppe von Demonstranten halten, jedem vorbeifahrenden Auto rufen sie etwas zu und schwenken mit ihren Schildern. Auf denen stehen handgeschrieben Worte wie "Painter", "Plumber" oder "Any work". Hier geht es nicht um Politik. Die Männer wollen Jobs, auf einer Baustelle, in einem Privathaus, für ein paar Stunden oder einen Tag. Einige verlangen 80 Rand (10 Franken) am Tag. "Manchmal stehen hier mehr als hundert Arbeiter", erklärt mir Ruben, Verkäufer im Builder's Warehouse und es werden immer mehr.

Die allmorgendlichen Szenen vor dem Baumarkt zeigen, was die südafrikanische Regierung als drängendstes Problem des Landes bezeichnet: die Arbeitslosigkeit. Staatspräsident Jacob Zuma hat 2011 zum Jahr des Stellenwachstums ausgerufen. Fünf Millionen neue Arbeitsplätze sollen bis 2020 geschaffen werden. Vor einem Jahr noch hatten viele Südafrikaner die Hoffnung, die Fußball-WM werde alles richten. Jetzt stehen die Stadien und  die Fußball-Fans sind abgereist. Auch wenn Südafrika die globale Rezession, verglichen mit entwickelten Ländern, gut überstand, verloren eine Million Menschen seit Anfang 2009 ihren Arbeitsplatz.

Offiziell liegt die Arbeitslosenquote bei rund 25 Prozent. Volkswirte aber sind sich einig, dass diese Quote in Wirklichkeit bei ca. 52% liegen dürfte.  Millionen Menschen seien schon so desillusioniert, dass sie nicht mehr aktiv eine Arbeit suchten und Geld im immer ständig wachsenden informellen Sektor verdienten.

Als alarmierend bezeichnete Finanzminister Pravin Gordhan die Situation der Jüngeren. Offiziell haben 48 Prozent der Südafrikaner im Alter von 18 bis 30 Jahren keine Beschäftigung. Dem Land könnten ähnlich Aufstände wie in Nordafrika bevorstehen, sollte es nicht endlich mehr Arbeit geben, warnte Gordhan in seiner Haushaltsrede vor wenigen Tagen. 17 Jahre nach dem Ende der Politik der Rassentrennung ist die Frustration in der schwarzen Bevölkerung groß. Zwischen Arm und Reich hat sich die Kluft noch vergrößert. In den Armenvierteln brodelt es seit langem. Proteste gegen nicht eingehaltene Versprechen der Regierung gehören dort schon zum Alltag.

Dass die Regierung ihr Ziel erreicht, halten die meisten Wirtschaftsexperten für unwahrscheinlich. Gordhan gab zu, dass die Wirtschaft 20 bis 30 Jahre lang um 7 Prozent im Jahr wachsen müsse, um die Arbeitslosigkeit spürbar zu verringern. 2011 wird ein Wachstum von 5,3 Prozent erwartet. Volkswirte nennen das schwache staatliche Bildungssystem als einen der Gründe für die Schwierigkeiten. Auch wenn Unternehmen über alle Branchen hinweg über Fachkräftemangel klagen, sind in Südafrika nur 40 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter beschäftigt. In großen Schwellenländern wie Indien beträgt die Quote 55, in Brasilien 65 und in China 71 Prozent. Der Internationale Währungsfonds weist auch auf verkrustete Strukturen und die Macht der Gewerkschaften hin, die mit der Regierungspartei ANC und der Kommunistischen Partei eine Dreier-Allianz bilden. Wie groß der Einfluss des Gewerkschaftsbundes Cosatu ist, zeigt sich aktuell in einer

Debatte um verschärfte Arbeitsmarktgesetze. Vorgesehen ist etwa, sämtliche Vermittler von Arbeitskräften, auch Zeitarbeitsunternehmen, zu verbieten. Arbeitgeber sollen Mitarbeiter nur noch in Ausnahmefällen befristet oder auf Teilzeitbasis einstellen dürfen. Cosatu pocht dabei auf ordentliche Arbeitsplätze. Der Finanzminister hält dagegen, dass jede Arbeit besser sei als Arbeitslosigkeit.

Gordhan will jetzt mit seinen Mitteln ein Jobwunder herbeiführen. In den nächsten drei Jahren sollen 150 Milliarden Rand (20 Milliarden Franken) in den Arbeitsmarkt fließen: in staatliche Infrastrukturprojekte, Subventionen für etliche Branchen und in 100 000 Arbeitsplätze im ohnehin schon aufgeblähten öffentlichen Sektor. Auch geplant sind ein mit 9 Milliarden Rand gefüllter "Job-Fonds" und Lohnsubventionen für junge Menschen von 5 Milliarden Rand. Gegen Letztere laufen die Gewerkschaften Sturm, weil sie Kündigungen älterer zugunsten junger Mitarbeiter befürchten.

Die Regierung sei gewillt, Geld auf den Tisch zu legen, sagte der Minister. Gleichzeitig aber müsse sich auch an den Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt etwas ändern. Schon jetzt erhalten mehr Menschen in Südafrika staatliche Hilfe als Menschen Steuern bezahlen. "Es gibt nur 5,5 Millionen Steuerzahler", davon 4,1 Millionen Weisse  und die können nicht für alles bezahlen, was eine Bevölkerung von 50 Millionen braucht.

Das Land steht daher vor schweren wirtschaftlichen Zeiten. Grosse Massendemonstrationen werden nicht zur Seltenheit werden, da die versprechen über die Nachhaltigkeit der Arbeitsstellen so schnell verflogen sind, wie die Gäste nach der WM das Land wieder verlassen haben.


Die eigentlichen Nutzniesser sind die Chinesen. 5000 an der Zahl erhalten jedes Jahr einen südafrikanischen Pass und können so Immobilien und Farmen im grossen Still einkaufen und sind von der Mehrwertsteuer für Import und Export befreit. Für die einheimische Geschäftewelt  klar ungleiche Spiesse und die  Bevölkerung kann sich die Preise auf dem Immobilienmarkt  nicht mehr leisten. Viele sind gezwungen, ihre Häuser zu verkaufen und sich bei  weissen Farmer ein Bungalow zu mieten, da sie die Kosten für Strom, Telefon und Wasser nicht mehr bezahlen können. Die Pensionen sind seit 15 Jahren gleich geblieben die Lebenshaltungskosten haben aber um 300% zu genommen.

Weiteres ungemach droht Südafrika demnächst mit einer grossen Immobilienblase so wie sie  2007 und 2008 Amerika erlebte und wieder erleben wird. Das Immobiliengeschäft ist fast völlig zum erliegen gekommen, da die Banken höchsten noch 60% des Kaufpreises finanzieren. Die Zinsen dürften im Sommer ebenfalls stark steigen und so die Banken in grosse Liquiditätsengpässe bringen werden und somit die Arbeitslosigkeit und Armut unter allen Schichten noch mehr ansteigen lassen.


W.O.

 

Jahrhundertkatastrophe in Japan oder die Grenzen der Menschheit

Es gibt kaum ein anderes Land auf der Welt, das auf so schwere Erdbeben gefasst und gut vorbereitet ist, dann ist das Japan. Doch die Folgen der Katastrophe an diesem Freitag sind längst noch nicht absehbar. Sie treffen das Land in einem Moment politischer und finanzieller Schwäche. Sie zeigen uns aber auch wieder einmal die Grenzen auf, der die Menschheit ausgesetzt ist.


Traurige Superlative

Mit Superlativen soll man vorsichtig umgehen. Aber das, was Japan am Freitag getroffen hat, verdient leider die Bezeichnung Jahrhundertkatastrophe. Trotzdem: Wenn es ein Land auf der Welt gibt, das auf schwere Erdbeben gefasst und gut vorbereitet ist, dann ist das Japan.

Gegen ein derart gewaltiges Beben kommt menschliche Ingenieurskunst allerdings nicht an. Das alles ist für sich genommen schon schlimm genug. Verstärkt wird die Katastrophe aber noch durch den Tsunami, der im ganzen Gebiet des Pazifischen Ozeans zu spüren war. Das weckt schlimme Erinnerungen an den zweiten Weihnachtsfeiertag 2004, als ebenfalls eine gewaltige Flutwelle Tod und Verderben über den halben Globus verbreitete.


Intaktes Frühwarnsystem?

Weite Teile des pazifischen Raums sind auf Naturkatastrophen dieser Art nicht annähernd so gut vorbereitet wie Japan. Wie wenig aber auch guter Küstenschutz gegen die Wassermassen auszurichten vermag, zeigten die Schreckensbilder aus dem

Norden Japans.

Wenn sich im Vergleich zu 2004 etwas verbessert hat, dann ist es der Aufbau von Warnsystemen. Vielleicht war es diesmal aber schlicht so, dass den Menschen in anderen Staaten mehr Zeit blieb, um sich in Sicherheit zu bringen. Es wäre daher verfrüht, von einem intakten Frühwarnsystem zu sprechen.

Die Katastrophe trifft Japan in einem Moment politischer Schwäche. Die Regierung, die vor knapp eineinhalb Jahren mit großem Vorschusslorbeer angetreten ist, wirkt schon seit einiger Zeit ausgezehrt. Und auch der Zustand der Opposition flößt nicht gerade Vertrauen ein. Die Freunde Japans im Ausland müssen nun hoffen, dass die politische Klasse des Landes im Augenblick des großen Schreckens zu einer Kraftanstrengung in der Lage sind, die nicht nur die unmittelbaren Schäden des Erdbebens und des Tsunami beseitigt, sondern auch zu einem neuen Aufschwung beiträgt, und zwar nicht nur wirtschaftlich.

Japanische Regierungen propagieren zwar seit Jahren ein neues Selbstbewusstsein ihres Landes auf der internationalen Bühne. Dennoch wird Japan im Ausland oft als eine Macht wahrgenommen, die der wachsenden Dynamik des chinesischen Nachbarn wenig oder nichts entgegenzusetzen hat.

Animositäten und Eitelkeiten

Vieles, was Tokio tut, wirkt verzagt. Und erschwerend kommt hinzu, dass die Parteien Japans ihren wichtigsten Daseinszweck schon seit einiger Zeit nicht mehr darin zu sehen scheinen, das Land so gut wie möglich zu regieren. Vielmehr sind persönliche Animositäten und Eitelkeiten in einem Maße in den Vordergrund getreten, dass kaum ein Ministerpräsident - seit 2006 gab es fast jedes Jahr einen neuen - ausreichend Zeit hat, um ein Konzept in die Tat umzusetzen.

Eine Naturkatastrophe wie das Erdbeben vom Freitag wirkt sich selbstverständlich sofort auf die Finanzmärkte in aller Welt aus. Deren unmittelbare Reaktionen waren von großer Unsicherheit geprägt; über mittel- oder gar langfristige Auswirkungen lässt sich vernünftigerweise zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Die Versicherungswirtschaft wird sich gewiss auf hohe Belastungen einzustellen haben.

Eine besondere Aufmerksamkeit gilt zweifellos den Atomkraftwerken in der Krisenzone. Zwar versichert die japanische Regierung, es sei jetzt keine Radioaktivität ausgetreten. Aber inwieweit solche Mitteilungen sich auf gesicherte Informationen stützen oder eher der Beruhigung einer aufgewühlten Öffentlichkeit dienen, ist unklar. Wenn in einem Atomkraftwerk etwas Schlimmes passiert, wird das nicht nur ökologische Folgen haben.

wo

Karl-Theodor zu Guttenberg - und die Plagiatsaffäre

Doktoranden greifen Guttenberg an

 

Verteidigungsminister Guttenberg sagt, er hat in seiner Doktorarbeit nicht vorsätzlich Fehler gemacht. Immer mehr Experten bezweifeln das. Die Wissenschaft attackiert ihn, Doktoranden greifen ihn in einem Brief an Kanzlerin Merkel an.


Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: Wissenschaftler attackieren ihn für seinen Umgang mit der Doktorarbeit.



Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) schlägt wegen seiner Plagiatsaffäre eine Welle der Empörung aus der Wissenschaft entgegen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft verurteilte das Kopieren fremder Texte ohne Hinweis in Guttenbergs Doktorarbeit. Die SPD legte Guttenberg erneut den Rücktritt nahe. In der Union gibt es neben Unterstützung auch Zweifel.

Der Deutsche Hochschulverband kritisierte den Umgang mit den Plagiatsvorwürfen gegen zu Guttenberg seitens „Repräsentanten unseres Staates“ scharf . Auch der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, warnte vor der Verharmlosung von Plagiaten als Kavaliersdelikt. „Wissenschaftler teilen ihre Ideen und Erkenntnisse, sie führen sie gemeinsam weiter, aber sie entwenden sie nicht“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“. Der frühere DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker sieht Guttenberg wissenschaftlich „für immer am Pranger“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.


Ein Betrüger?

Der in Bayreuth lehrende Staatsrechtler Oliver Lepsius sieht das so. In einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigen sich zahlreiche Doktoranden empört darüber, dass Merkel gesagt hatte, sie habe keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt. Sie sprachen von Verhöhnung ehrlicher Doktoranden. Die Formulierung lege nahe, dass es sich beim Erschleichen eines Doktortitels um ein Kavaliersdelikt handele und dass das „akademische Ehrenwort“ im wirklichen Leben belanglos sei, kritisieren sie in dem Brief. „Wir erwarten für unsere wissenschaftliche Arbeit keine Dankbarkeit, aber zumindest den Respekt, dass man unsere Arbeit ernst nimmt.“ Durch die Behandlung der Causa Guttenberg als Kavaliersdelikt leide der Wissenschaftsstandort Deutschland und die Glaubwürdigkeit Deutschlands als „Land der Ideen“, heißt es weiter. Zahlreiche Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter haben sich mittlerweile den Brief mit unterzeichnet oder unterstützen das Anliegen.
„Ich würde einem Kandidaten nicht glauben“

Der Nachfolger von Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle legte mit scharfer Kritik nach. „Der Minister leidet unter Realitätsverlust“, sagte der Bayreuther

Staatsrechtsprofessor Oliver Lepsius der „Süddeutschen Zeitung“. „Wir sind einem Betrüger aufgesessen. Es ist eine Dreistigkeit ohnegleichen, wie er honorige Personen der Universität hintergangen hat.“ Guttenberg habe „planmäßig und systematisch“ wissenschaftliche Quellen zum Plagiat zusammengetragen und behaupte nicht zu wissen, was er tue.


Schuldig oder Unschuldig?

Mehrere Juristen gehen davon aus, dass Guttenberg bei der Verwendung fremder Texte mit Vorsatz gehandelt hat. „Ich würde einem Kandidaten nicht glauben, der in so einem Fall behauptet, dass es bloße Fahrlässigkeit war“, sagte der Kölner Strafrechtsprofessor Thomas Weigend dem „Spiegel“. Der auf Streitfälle bei Examensarbeiten spezialisierte Rechtsanwalt Michael Hofferbert sagte dem Magazin: „Kein Richter wird einem Kandidaten glauben, der über hundert Seiten seiner Doktorarbeit abschreibt und hinterher behauptet, er habe dies versehentlich getan.“

Guttenberg hatte „gravierende Fehler“ in seiner Dissertation eingeräumt, wissentliches Tun aber bestritten. Die Universität Bayreuth erkannte seinen Doktortitel ab und prüft derzeit, ob er vorsätzlich handelte. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb, die Täuschungsprüfung könne zwei Wochen dauern.
SPD fordert Rücktritt

SPD-Chef Sigmar Gabriel geht von Vorsatz aus und legte Guttenberg erneut einen Rücktritt nahe. „Würde er zurücktreten, könnte er in einigen Jahren seine Karriere fortsetzen. So bleibt er für immer beschädigt“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Für Linksfraktionsvize Dietmar Bartsch verdichten sich die Vorwürfe bewusster Täuschung. „Guttenbergs Verteidigungsstrategie bricht zusammen.“

Hochstapler und Betrüger? Ein Bayreuther Jura-Professor klagt an

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) hat angesichts zunehmender Vorwürfe Zweifel am politischen Überleben Guttenbergs. „Ich weiß nicht, wie lange er das erträgt und aushalten kann. Ich hätte wahrscheinlich nicht die Kraft, das längere Zeit durchzuhalten".


Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) traut Guttenberg dagegen noch viel zu. Guttenberg habe „noch eine lange, große Laufbahn“ vor sich, sagte Schäuble dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Mein junger Kollege wird sich wieder erholen.“ Die Affäre werde sich erledigen.

Die Saubermänner


Es darf gewettet werden, dass man bei den Doktorratsarbeiten bei den sogegenannten Saubermänner mehr als 60% ebenfalls fremde Texte ohne Hinweise gefunden würden. Mit der Art und Weise wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft das kopieren fremder Texte ohne die entsprechenden Fussnoten in Herrn von Guttenbergs Doktorarbeit verurteilt, stellt sie sich bereits unter Generalverdacht. So wie es hier dargestellt wird, verlangt sie dies nur von Herrn von Guttenberg aber kein Wort darüber, dass sie dies grundsätzlich von allen Doktoranden verlangt und diese auf die gleiche Art  anprangern würde.