Es ist schon sehr erstaunlich, welche Idee Cedric Wermuth, Präsident der JUSO, mit der Lancierung der 1:12-Initiative da geboren hat. Mit dieser Initiative soll im Gesetz verankert werden, dass in der schweizerischen Firmenwelt der Höchstlohn eines Angestellten maximal zwölf mal höher sein darf, als der niedrigste bezahlte Lohn in der betreffenden Firma. Wirklich eine Idee.

In seiner Rede vom 4. Juli 2009 beschwört er seine Mitstreiter: „Wir wollen sein ein einig Volk von JUSO-Brüdern und JUSO-Schwestern. Er redet viel und hastig, vor allem aber viel von Wilhelm Tell. Er lobt dessen Rechtschaffenheit und seinen Willen für die Freiheit. All das tönt jedoch befremdend aus dem Munde eines zu Gewalt neigenden und mit links nationalem Gedankengut behafteten Menschen, der gleichzeitig die Rechtschaffenheit von Tell hervor streicht, aber selbst von dieser Rechtschaffenheit nichts wissen will.

Seine Rede gleicht einem schlechten Bild aus vielen verschiedenen Mosaiksteinen. Er springt die ganze Rede von einen Thema zum anderen und verliert dadurch viel an Glaubwürdigkeit, die bei Tell sicher eine angeborene Tugend und Charaktereigenschaft war.

Die lancierte Initiative scheint auf den ersten Blick für manchen sehr verfänglich zu sein. Beim zweiten Blick stellt man jedoch fest, dass es sich um eine sehr diskriminierende Initiative handelt. Sein Parteifreund Nationalrat Jositsch hat ihn diesmal sicher schlecht beraten.

Diskriminierend, weil in einer demokratischen und freien Marktwirtschaft solche Gesetze diktatorisch und somit nicht rechtens wären. Diskriminierend, weil der Pflichtbewusste gegenüber dem Gleichgültigen, der Wissende gegenüber dem Unwissenden benachteiligt würde.

Seine Hetze gegen den Neoliberalismus ist so unqualifiziert, dass man sie schon fast nicht mehr ernst nehmen kann. Und trotzdem muss man sie ernst nehmen und darf diese Aussagen in dieser Form nicht akzeptieren. Alle anderen sind Schuld, nur nicht die mit der roten Fahne. Tell hat die AHV abgebaut, die IV zerstört, den Asylanten zu wenig Rechtsanwälte auf Kosten des Steuerzahlers zur Verfügung gestellt, den Arbeitslosen nur 18 Monate Auszeit zugestanden. Eine Milliarde Hunger leidende Menschen. Hat dieser Genosse je einen davon gesehen?

Genossen und Genossinnen, es ist gefährlich sich einfach an die Lippen eines Präsidenten zu hängen und alles unkritisch zu glauben. Behauptungen, dass die Löhne der Topmanager in den letzten Jahren um 80% gestiegen seien, sind reiner Populismus. Auch die Jugendlichen als Kampfmittel einzubringen, ist beschämend. Die Jugendlichen, die wie Tell wirklich arbeiten wollen, finden auch heute noch Arbeit. Es wäre sicher nicht im Sinne von Tell, dass man die Jugendlichen geradezu auffordert, anstatt Arbeit zu suchen, irgend eine Weiterbildung zu besuchen und alles auf Kosten derer, die sich für diesen Staat einsetzen und nebenbei noch Steuern bezahlen.

Aufgrund Ihrer 1:12-Initiative müssten ca. 55% aller Betriebe, egal ob Einzelunternehmungen, GmbH, Genossenschaften oder Aktiengesellschaften ihre Firmen schliessen. Zum Beispiel der Betrieb von Roger Federer, fast alle Fussball- oder Eishockeyclubs, sogar Ihre UNIA, das Parlament, die Universitäten, die ETH, die Spitäler, die Schulen und so weiter, bis die halbe Schweiz geschlossen wäre. In all den aufgeführten Betrieben würde das Lohngefälle Ihre

geforderten Limiten nicht einhalten können. Ich gehe davon aus, Genosse Wermuth, dass Sie die Lektüre von Tell, wie man ein einig Volk von Brüdern und Schwestern wird, die er Ihnen einst hinterlassen hat, nicht gelesen haben. Schon an dieser Stelle endet ihre Idee bereits.



W. Ostermeier