Ein überzeugtes Nein zur Heroinabgabe
1999 hat der Schweizer Stimmbürger zur heroingestützen Behandlung mit 54 Prozent ja gesagt, die Zustimmung galt jedoch nur als Provisorium. Am 30. November soll über das Heroinabgabeprogramm erneut abgestimmt werden, um diese Heroinabgabe im Gesetz zu verankern.
In den 80er- und Anfang der 90er-Jahre sorgten die Bilder der offenen Drogenszene in verschiedenen Städten der Schweiz, vor allem jedoch in Zürich und Bern, für internationale Schlagzeilen. Warum es gerade diese Städte waren, die von den Junkies in Besitz genommen wurden, ist bis heute nicht zur Zufriedenheit geklärt. Die Begründung, dass es dort am einfachsten war Drogen zu erhalten, überzeugt nicht. Vielmehr entwickelten die beiden am meisten betroffenen Städte Zürich und Bern mit den Kantonen und dem Bund zusammen eine neue Drogenpolitik und damit auch einen sehr kostspieligen Beratungs- und Verwaltungsapparat mit Aussenstellen, die bis nach Namibia reichen. (Reha-Farm in der Nähe von Omaruru).
Die neue Drogenpolitik wurde auf vier Säulen aufgebaut. Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression. Die Heroinabgabe ist sicher der heikelste Punkt der 1994 eingeführten neuen Drogenpolitik.
Die Befürworter kämpfen mit dem Argument, dass die offene Drogenszene aus den Schweizer Städten fast weitgehend verschwunden und dies der ärztlich überwachten Heroinabgabe zuzuschreiben sei.
So einfach ist dies natürlich nicht zu interpretieren, zumal die Drogenszene sich einfach von der offenen Szene in eine Untergrundszene mit grossem Verwahrlosungspotenzial verwandelt hat und somit nur noch schwerer überschaubar und kontrollierbar ist. Auch die wissenschaftlichen Auswertungen, die den Befürwortern als Grundlage ihrer Argumente dienen, sind zum Teil sehr fragwürdig, da sie sich hauptsächlich auf Selbstangaben der Teilnehmer dieses Heroinprogramms stützen. Ob man sich mit dieser neuen Drogenpolitik nicht einfach den Weg des geringsten Widerstandes ausgesucht hat und sich gleichzeitig Orden umhängt, wird sich eines Tages weisen müssen.
Die Beschaffungskriminalität, die geringe Anzahl von erfolgreichen Abstinenzen und auch die Kosten bleiben Schwerpunkte, die eine Zustimmung zu dieser unausgewogenen und mit Schatten behafteten Drogenpolitik verunmöglichen.
Der Schwerpunkt für ein Nein liegt vor allem darin, dass die Beschaffung verbunden mit Straftaten und auch die Einnahme von Drogen jeglicher Art nicht Kavaliersdelikte sind. Die Heroinabgabe zu legalisieren, nur weil die Droge auch in den oberen Gesellschaftsschichten weit verbreitet ist, ist falsch und gegenüber den kommenden Generationen unverantwortlich. Es ist zu befürchten, dass bei einer Annahme des neuen Gesetzes durch diese Legalisierung bei vielen die letzte Hemmschwelle leichter wegfallen und somit die Einnahme sogar noch gefördert würde, was wiederum mit enormen Heilungskosten verbunden wäre - dies führt folgerichtig zu einer Erhöhung der Krankenkassenprämien, was dann von den Befürwortern wieder bekämpft wird. Die ausserordentlich grosse Problematik dieses gesamten Themenbereichs und die damit verbundenen menschlichen Dramen sind unbestritten. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man Drogensüchtige werder wegrationalisieren noch schönreden kann. Nur scheint das Gesetz in der heutigen Form für eine solche Vorlage noch nicht ausgereift.
Am 30. November haben wir die Wahl.
w. ostermeier


