30. August 2006
Staatsschutz im freiheitlichen Staat – widersprüchlich oder unabdingbar?

Seit Jahren wird unter dem Label der „Terrorismusbekämpfung“ der Staatsschutz weltweit ausgebaut. Besonders augenfällig sind in den vergangenen Wochen die Bemühungen unseres nördlichen Nachbars, der nach den verhinderten Anschlägen auf Züge ein ganzes Packet neuer Massnahmen vorschlägt. Obwohl die Bekämpfung des Terrorismus einen hohen Stellenwert verdient, darf die grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Mass des Staatsschutzes aber nicht einfach ausgeblendet werden. Dies umso mehr, als auch mit Blick auf die EURO 08 in der Schweiz entsprechende Frage offen liegen.
In einem demokratischen Staat wird beim Festlegen von Freiheitsgrenzen und -beschränkungen vom Grundsatz der «Verhältnismässigkeit des staatlichen Handelns» ausgegangen. Wenn jedoch präventiver Staatsschutz – wie am Beispiel der Terrorismusbekämpfung - gefordert wird, so wird für den Liberalen eine Grenze geritzt, welche mit bestimmten Vorbehalten versehen ist.
Staatsschutz – Verwesentlichung gefordert!
In der Skepsis des Liberalen gegenüber einem offensiven Staatsschutz spiegelt sich nicht nur Argwohn gegenüber dem Glauben an die staatliche Machbarkeit, sondern die Ablehnung staatlicher Bevormundung insgesamt. Die vom Liberalen geforderte Verwesentlichung des Staates kann mit Bezug auf den Staatsschutz auf drei Postulate reduziert werden.
1. Der Staatsschutz darf sich nur auf den Teil des Staates konzentrieren, der mit der Wahrung der Freiheit zu tun hat, also auf die Substanz des freiheitlichen Rechtsstaates.
2. Der Staatsschutz darf sich nur auf Personen und Gruppierungen ausrichten, die den Staat in seiner freiheitlichen Substanz real gefährden.
3. Der Staatsschutz ist nur gefordert, wenn die Gefährdung beträchtlich ist.
Von besonderer Bedeutung ist, dass nicht ein tagesaktuelles Ereignis wie die anstehende EURO 08 dazu benutzt wird, den gesetzten Rahmen unnötig auszuweiten. Damit dies nicht geschieht, sind Politik und Bevölkerung entsprechend zu sensibilisieren.
von alt Nationalrat Peter Weigelt, St.Gallen





